Als Vorsitzender des Messebeirats der Security Essen, Vorstandsvorsitzender des BHE und Geschäftsführer von Salto Systems blickt Axel Schmidt aus mehreren Perspektiven auf den Markt. Im Interview spricht er über die Security Essen 2026, die Entwicklung der Branche, integrierte Sicherheitslösungen und die Zukunft der Zutrittskontrolle.
Herr Schmidt, welche Themen prägen die Sicherheitsbranche derzeit besonders stark und wie spiegelt sich das auf der Security Essen 2026 wider?
Ganz klar sind das derzeit KRITIS, NIS2 und Cyber Security. Im Bereich Zutritt kommen Themen wie Mobile Access und Identity Management hinzu. Diese Entwicklungen zeigen, dass Sicherheitstechnik zunehmend ganzheitlich betrachtet werden muss. Auf der Security Essen dürfte sich das ebenfalls deutlich zeigen. Ich gehe davon aus, dass die Aussteller weniger einzelne Produkte in den Mittelpunkt stellen werden, sondern stärker komplette Lösungen und Anwendungsszenarien. Für Besucher wird damit interessanter, wie unterschiedliche Technologien zusammenspielen und wie sie sich in bestehende Strukturen integrieren lassen. Die Anforderungen der Betreiber werden komplexer, entsprechend verändert sich auch die Präsentation der Hersteller.
Mit der Euro Defence Expo findet erstmals zeitgleich eine Messe für die Verteidigungsindustrie statt. Was bedeutet diese Erweiterung für das Profil der Security Essen?
Ich halte das für eine sehr interessante Erweiterung des Messegeländes. Zwischen beiden Veranstaltungen gibt es aus meiner Sicht durchaus Berührungspunkte. Aussteller und Besucher der Euro Defence Expo sind potenziell auch für Unternehmen der Security Essen interessant, denn Sicherheitstechnik spielt selbstverständlich auch in diesem Umfeld eine wichtige Rolle. Entscheidend wird sein, wie gut die Übergänge zwischen beiden Veranstaltungen funktionieren. Von der Euro Defence Expo zur Security Essen sollte dies möglichst einfach möglich sein. In der umgekehrten Richtung ist das aufgrund der erforderlichen Registrierung kurzfristig schwieriger. Trotzdem entsteht durch die zeitliche und räumliche Nähe die Chance, neue Besuchergruppen zu erreichen und zusätzliche Kontakte herzustellen.
Der Markt für elektronische Sicherheitstechnik wächst weiter, gleichzeitig bleibt die Baukonjunktur schwierig. Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage der Branche?
Bei unseren Partnern sehen wir nach wie vor gut gefüllte Auftragsbücher. Gleichzeitig gibt es Anzeichen dafür, dass sich die Baukonjunktur wieder belebt. Hinzu kommt ein Bereich, der für die Sicherheitstechnik immer wichtiger wird: die Revitalisierung und Modernisierung bestehender Gebäude. Sicherheitstechnik hängt schließlich nicht ausschließlich vom Neubau ab. Gerade bei Bestandsobjekten werden Systeme modernisiert, erweitert oder miteinander vernetzt. Daraus entstehen zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten für Hersteller und Errichter. Deshalb sehe ich derzeit keinen Grund, warum wir uns in der Sicherheitsbranche vor einer Rezession fürchten müssten. Die Rahmenbedingungen bleiben anspruchsvoll, der Bedarf an moderner Sicherheitstechnik ist aber weiterhin vorhanden.
Welche Auswirkungen haben KRITIS-Dachgesetz, NIS2 und die verschärfte Bedrohungslage auf Hersteller und Errichter von Sicherheitstechnik?
Diese Themen beleben den Markt erheblich. Gleichzeitig verändern sie die Anforderungen an die Anbieter. Es reicht immer weniger aus, lediglich ein einzelnes Produkt bereitzustellen. Betreiber müssen unterschiedliche Sicherheitsanforderungen zusammenführen und benötigen dafür Lösungen, die sich in bestehende Systeme und Prozesse integrieren lassen. Dadurch trennt sich bei den Anbietern zunehmend die Spreu vom Weizen. Unternehmen mit einer klaren Integrationsstrategie sind aus meiner Sicht wesentlich stärker gefragt als reine Produktanbieter. Für Hersteller wie für Errichter bedeutet das, über die einzelne Komponente hinauszudenken und stärker zu berücksichtigen, wie Technik, Software und organisatorische Prozesse zusammenspielen.
Digitalisierung und Vernetzung verändern die Sicherheitstechnik seit Jahren. Welche Entwicklung wird den Markt in den kommenden Jahren besonders prägen?
Integrationen und Schnittstellen zu anderen Gewerken, Systemen und Softwarelösungen werden entscheidend sein. Ich spreche dabei eigentlich lieber von „Nahtstellen“, weil Systeme künftig immer enger miteinander verbunden werden. Das betrifft sowohl klassische On-Premises-Lösungen als auch Cloud-Systeme und hybride Architekturen. Vieles von dem, was heute vielleicht noch etwas „nerdig“ oder technisch speziell erscheint, wird künftig zum normalen Bestandteil von Sicherheitslösungen gehören. Wenn unterschiedliche Systeme miteinander kommunizieren und Informationen gemeinsam genutzt werden können, entstehen daraus neue Funktionen und Anwendungsmöglichkeiten. Genau diese Verbindung verschiedener Technologien wird aus meiner Sicht eine der wesentlichen Entwicklungen der kommenden Jahre sein.
Wenn wir zum Schluss auf die Zutrittskontrolle schauen: Welche Veränderungen beobachten Sie dort aktuell aus Sicht von Salto?
Im Grunde laufen hier viele der zuvor genannten Entwicklungen zusammen. Auch in der Zutrittskontrolle geht es zunehmend um einen ganzheitlichen Lösungsansatz und um die Integration mit anderen Systemen. Identity Management spielt dabei ebenso eine Rolle wie die Frage, ob Anwendungen lokal, in der Cloud oder hybrid betrieben werden. Hinzu kommt Mobile Access, also die Nutzung mobiler Endgeräte als Bestandteil der Zutrittslösung. Für Salto bedeutet das, diese unterschiedlichen Bereiche miteinander zu verbinden. Mit unserem IDM Identity Management System als PIAM-Lösung adressieren wir beispielsweise die zentrale Verwaltung von Identitäten und Berechtigungen. Gleichzeitig beschäftigen wir uns mit Integrationen über die klassische Zutrittskontrolle hinaus sowie mit On-Premises-, Cloud- und Hybridlösungen. Wir sehen uns deshalb bei den wesentlichen Entwicklungen, die den Zutrittsmarkt derzeit verändern, sehr gut aufgestellt.






