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Sicherheitsdienstleistungen

ÖFFENTLICHE BESCHAFFUNG VON SICHERHEITSDIENSTLEISTUNGEN

EINE ANALYSE DER INTERNATIONAL SECURITY LIGUE

SH
Stefan Huber
5 Min. Lesezeit
ÖFFENTLICHE BESCHAFFUNG VON SICHERHEITSDIENSTLEISTUNGEN
Foto: www.istockphoto.com / AndreyPopov

Bei Vergabeentscheidungen für Bewachungsdienstleistungen dominiert weiterhin der Preis. Seit 2018 wird er durchschnittlich mit 85 Prozent gewichtet. Das zeigt eine neue Untersuchung der International Security Ligue. Die jüngste Ausgabe von GSB Pulse basiert auf fast 40.000 Ausschreibungsdatensätzen und liefert Einblicke, wie öffentliche Auftraggeber Sicherheitsdienstleistungen beschaffen – und was dies für Steuerzahlende, Sicherheitskräfte im operativen Einsatz und die öffentliche Sicherheit bedeutet.

„Die Ergebnisse bestätigen, was viele Praktikerinnen und Praktiker seit Langem vermutet haben: Bei Bewachungsaufträgen dominiert strukturell weiterhin der Preis – selbst in Vergabesystemen, die formal eine qualitätsorientierte Vergabe fördern“, sagte Stefan Huber, Executive Director der International Security Ligue. „In der Praxis kapert der Preis nach wie vor den gesamten Vergabeprozess.“

Die Preisgewichtung von 85 Prozent ähnelt eher den Ergebnissen für Abfallentsorgungs- und Reinigungsleistungen – 92 beziehungsweise 90 Prozent – als jenen anderer professionalisierter Dienstleistungsbereiche. Dies gilt trotz der sicherheitskritischen Bedeutung von Sicherheitsdienstleistungen und der Risiken, die mit dem Scheitern eines Vertrags verbunden sind. Bei der Vergabe von Facility-Management-Verträgen beträgt die Gewichtung des Preises im Vergleich dazu weniger als die Hälfte, nämlich 40 Prozent.

Qualität fehlt in heutigen Ausschreibungen weitgehend

Auf Grundlage von Konsultationen mit Sicherheitsexpertinnen und -experten beschreibt der neue Bericht vorbildliche Beschaffungsverfahren und definiert acht zentrale Indikatoren, welche die Qualität von Sicherheitsdienstleistungen beeinflussen. Dazu zählen unter anderem die Kompetenz der eingesetzten Sicherheitskräfte, faire und verantwortungsvolle Beschäftigungspraktiken der Sicherheitsunternehmen sowie deren finanzielle Stabilität. Eine umfassende Datenanalyse zeigt anschließend, ob diese Indikatoren bei der Beschaffung von Bewachungsdienstleistungen tatsächlich berücksichtigt werden.

Die Ergebnisse offenbaren nach Ansicht von Huber gefährliche Versäumnisse bei der öffentlichen Beschaffung von Bewachungsdienstleistungen in Europa: „Die Ausbildungsprogramme der Anbieter werden nur selten geprüft, ihre Leistungen im Arbeits- und Gesundheitsschutz noch seltener. Die finanzielle Stabilität der Sicherheitsunternehmen scheint nur von mäßigem Interesse zu sein, und das Engagement eines Anbieters für kontinuierliche Verbesserung wird kaum berücksichtigt.“Mehr als sechs von zehn Ausschreibungen berücksichtigen insgesamt höchstens zwei der acht Qualitätselemente. Bezogen auf die eigentlichen Zuschlagskriterien enthalten 77 Prozent der Ausschreibungen keinen einzigen der acht Qualitätsindikatoren. Damit wirken die derzeitigen Beschaffungspraktiken den erklärten Zielen der Regierungen entgegen, Beschäftigte zu stärken und Armut zu verringern.

Die öffentliche Beschaffung beeinflusst unmittelbar das Leben der Sicherheitskräfte im operativen Einsatz. Löhne, Ausbildung und Arbeitsbedingungen unterliegen den Marktkräften. Wenn Beschaffungsverfahren einen Unterbietungswettbewerb fördern, verschlechtern sich die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Sicherheitskräfte nachweislich. „Ein preisorientierter Ansatz begünstigt unzureichende Löhne und benachteiligt genau jene Unternehmen, die sich den von den Regierungen propagierten Zielen verpflichtet fühlen“, erklärte Garett Seivold, einer der an dem Bericht beteiligten Forscher der Ligue. „Mit der öffentlichen Beschaffung verfügen Behörden über einen wichtigen Hebel, um die Marktbedingungen zu verbessern. Sie nutzen ihn jedoch nicht.“

Entscheidende Faktoren werden systematisch übersehen

Im Jahr 2025 kamen ausbildungsbezogene Elemente lediglich in 24,9 Prozent der Ausschreibungen vor. Nur 10,6 Prozent berücksichtigten die Ausbildung in den Zuschlagskriterien – also in jenem Teil des Verfahrens, der tatsächlich darüber entscheidet, wer den Auftrag erhält. Anforderungen an Auffrischungs- oder kontinuierliche Weiterbildungen waren nahezu nicht vorhanden: Sie erschienen in lediglich 1,4 Prozent der Zuschlagskriterien. Mit anderen Worten: Ob ein Anbieter dauerhaft in die Kompetenz seiner Sicherheitskräfte investiert, wird fast nie bewertet. Dieses Versäumnis ist nicht folgenlos. Es prägt den Markt.

Ausbildung ist kostenintensiv. Unternehmen, die darin investieren, haben höhere Betriebskosten. Wenn Beschaffungssysteme die Ausbildungsqualität ignorieren und das niedrigste Angebot belohnen, verschieben öffentliche Auftraggeber die Wettbewerbsbedingungen unbeabsichtigt zugunsten jener Unternehmen, die ihre Ausbildungskosten minimieren, um besonders niedrige Preise anbieten zu können. Das Ergebnis ist vorhersehbar: Verantwortungsbewusste Unternehmen werden benachteiligt, unzureichend ausgebildete Sicherheitskräfte werden eingesetzt, und die Öffentlichkeit erhält ein geringeres Sicherheitsniveau, als sie mit ihren Steuergeldern finanziert.

Ähnliche Ergebnisse beim Arbeits- und Gesundheitsschutz

Nur jede vierte Ausschreibung erwähnt den Arbeits- und Gesundheitsschutz überhaupt, und lediglich 5,3 Prozent berücksichtigen ihn in den Zuschlagskriterien. Wird der Arbeits- und Gesundheitsschutz bei der Auftragsvergabe nicht beachtet, setzen sich öffentliche Auftraggeber vermeidbaren Unfällen, Haftungsansprüchen, Betriebsunterbrechungen und Reputationsrisiken aus. Vor allem aber werden Sicherheitskräfte vermeidbaren Gefahren ausgesetzt.

Auch die Untersuchung der übrigen sechs Qualitätsindikatoren ergab durchgängig niedrige Berücksichtigungsquoten in den Zuschlagskriterien:

Weniger als 8 Prozent berücksichtigen die Beschäftigungspraktiken eines Unternehmens, etwa die Begrenzung übermäßiger Überstunden oder die Einhaltung von Tarifverträgen.

Weniger als 1 Prozent bewerten die finanzielle Stabilität eines Anbieters, seinen Versicherungsschutz, seine Schadenhistorie und seine allgemeine wirtschaftliche Tragfähigkeit.

5,8 Prozent prüfen die technologische Infrastruktur eines Anbieters, beispielsweise seine Möglichkeiten zur digitalen Berichterstattung, seine Informationssicherheitspraktiken und seine Fähigkeit, Daten effizient mit dem öffentlichen Auftraggeber auszutauschen.

11,8 Prozent berücksichtigen die Personalpraktiken eines Anbieters, darunter Fluktuations- und Fehlzeitenquoten, den Einsatz temporärer Arbeitskräfte sowie Standards für Rekrutierung und Sicherheitsüberprüfungen.

5,1 Prozent bewerten die Erfahrung eines Anbieters mit vergleichbaren Verträgen, seine branchenspezifische Expertise, Kundenreferenzen oder Nachweise über eine erfolgreiche bisherige Leistungserbringung.

12,8 Prozent berücksichtigen in den Zuschlagskriterien die Qualitätssicherungssysteme, Pläne zur Geschäftskontinuität oder Krisenmanagementfähigkeiten eines Anbieters.

Indem öffentliche Ausschreibungen für Sicherheitsdienstleistungen die Bedeutung dieser Faktoren nicht ausreichend anerkennen, schaffen Regierungen unbeabsichtigt Anreize für einen Unterbietungswettbewerb bei Löhnen, Ausbildung und Arbeitsbedingungen. Gleichzeitig behindern sie die weitere Professionalisierung der Sicherheitsbranche. Darüber hinaus verpassen öffentliche Auftraggeber die Chance, für die Steuerzahlenden eine hohe Wirkung der eingesetzten Mittel zu erzielen. Je mehr Qualitätselemente sie berücksichtigen, desto besser können sie Partner auswählen, die Risiken bewältigen, ihre Beschäftigten unterstützen und ihre Leistungsfähigkeit langfristig aufrechterhalten können.

Reformdynamik nimmt zu

Die Studie zeigt, dass relevante Qualitätskriterien bei der Vergabe von Sicherheitsaufträgen dringend eine größere Rolle spielen müssen. Gleichzeitig gibt es Grund zur Hoffnung, dass sich künftig ein stärker qualitätsorientierter Ansatz durchsetzen kann. Die Analyse zeigt, dass Qualitätselemente zwar nach wie vor äußerst selten berücksichtigt werden, ihre Bedeutung aber zunimmt. Alle acht Qualitätsindikatoren wurden 2025 häufiger einbezogen als 2024.

Bedeutende Fortschritte erfordern mehr als die bloße Erwähnung von Qualität in Ausschreibungen für Sicherheitsdienstleistungen, erklärte Stefan Huber von der Ligue: „Eine zentrale Frage, die diese Untersuchung über die Gewichtung des Preises hinaus aufwirft, lautet, ob Vergabesysteme und die für ihre Umsetzung verantwortlichen Projektteams in der Lage sind, Qualität bei einer so kritischen Dienstleistung wie Sicherheit konsequent zu definieren, zu bewerten und zu steuern.“ Die Auswertung der europäischen Daten bildet die erste Phase einer globalen, langfristig angelegten Forschungsinitiative der International Security Ligue, mit der strukturelle Muster bei der Beschaffung von Sicherheitsdienstleistungen sichtbar gemacht werden sollen.

Die Studie untersucht zahlreiche Aspekte der öffentlichen Beschaffung von Sicherheitsdienstleistungen. Dazu gehören zentrale Marktdaten wie die Häufigkeit von Rahmenvereinbarungen, die Zeitspanne zwischen Ausschreibung und Zuschlag, die Profile der Anbieter, die Art des Vergabeverfahrens, der Auftragswert und die Wettbewerbsintensität. So schwankte beispielsweise die Zahl der Angebote – mit leichten Unterschieden je nach Auftragswert – innerhalb einer relativ engen Bandbreite: von durchschnittlich 7,4 Angeboten pro Ausschreibung im Jahr 2020 bis zu 4,7 Angeboten im Jahr 2013.

Autor: Stefan Huber, Executive Director Security Ligue

www.international-security-ligue.org

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