Manuel „HonkHase" Atug ist Sprecher der Arbeitsgemeinschaft KRITIS. Im Gespräch mit SECURITY INSIGHT ordnet er den Berliner Stromausfall vom Januar 2026 und die strukturellen Schwächen im deutschen KRITIS-Schutz ein.
Wie bewerten Sie die politische Reaktion auf den Berliner Stromausfall?
Vieles sei zu früh in Richtung Täterhypothesen gelaufen, statt strukturelle Ursachen zu adressieren, so Atug. Politisch werde der Vorfall genutzt, um schnelle Forderungen aufzustellen, aber selten, um Verantwortung, Personal und Priorisierung anzugehen.
Was läuft beim Schutz Kritischer Infrastrukturen seit Jahren schief?
Die Defizite seien aktenkundig: zu wenig Personal beim BBK, zu wenig Vorsorge in den Bundesländern, zu wenig konsequente Umsetzung. KRITIS-Schutz sei in weiten Teilen ein Organisations- und Umsetzungsproblem – kein Erkenntnisproblem.
Wie fällt Ihr Zwischenfazit zum KRITIS-Dachgesetz aus?
Atug bewertet das Gesetz als Minimalkompromiss. Es schaffe zwar erstmals einen sektorübergreifenden Rahmen, lasse aber Ressourcen, Sanktionen und Aufsichtsstrukturen hinter dem zurück, was angesichts der Bedrohungslage nötig wäre. Vor allem das BBK sei im Vergleich zu BSI, BKA oder den Nachrichtendiensten dramatisch unterausgestattet.
Wo bleibt Hoffnung?
In Fachcommunity, Ehrenamt und einigen Ländern entstehe trotz allem Bewegung. Damit daraus politische Konsequenz werde, brauche es Verbindlichkeit – und die Bereitschaft, Resilienz dauerhaft zu finanzieren, statt nach jedem Vorfall nur Symbolpolitik zu betreiben.









