„Die Wirtschaftskriminalität in deutschen Unternehmen nimmt deutlich zu.“ So war es im Juli auf welt.de nachzulesen. Sechs von zehn deutschen Unternehmen seien „von Betrug und Untreue betroffen“.
In der Studie „Wirtschaftskriminalität in Deutschland 2018“ wertete die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG Umfragen bei 702 Unternehmen aus. Betrug und Untreue waren mit 58 Prozent die häufigsten Arten von Straftaten. Dies bedeutet einen deutlichen Anstieg von 13 Prozentpunkten gegenüber der letzten Umfrage im Jahr 2016. Besonders betroffen waren große Unternehmen mit 73 Prozent. Welt.de kommentiert das Ergebnis kritisch: „Obwohl sie als repräsentativ beschrieben werden, können sie es kaum sein. Die deutsche Wirtschaft kann nicht durch eine zufällige Auswahl von 700 Unternehmen vertreten werden.“
Interne Revision enthüllt
In solchen Fällen wird der besonders empfindliche Schaden dem Unternehmen nicht von gewöhnlichen Mitarbeitern zugefügt. Dies ist wahrscheinlich der Grund, warum nur ein Bruchteil der entdeckten Fälle der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Ein scheinbar kriminelles Mitarbeiterduo, wie im August in der Lokalpresse angekündigt, hat anscheinend die Sparkasse Schwarzwald-Baar am Standort Furtwangen jahrelang geschädigt und konnte im mittleren sechsstelligen Bereich Geld umleiten. Die beiden Täter, die seitdem ohne Vorankündigung freigelassen wurden, handelten gemeinsam und konnten so das bei Finanzinstituten übliche Vier-Augen-Prinzip untergraben. Die Bank selbst hat die Veruntreuung durch die interne Revision aufgedeckt.
Laut KPMG-Statistiken stehen die Fälle, die durch interne Audits oder Untersuchungen aufgedeckt wurden, an dritter Stelle. Unternehmensinterne Bekanntmachungen rangieren vor „Kommissar Zufall“. Bei den Arten von Straftaten gehen „Betrug und Untreue“ sowie „Diebstahl und Unterschlagung“ dem Datendiebstahl beziehungsweise -missbrauch eindeutig voraus. Für Unternehmen wird es kompliziert, wenn die internen Kontrollmechanismen selbst durch die zuständigen Compliance-Verantwortlichen als schwarze Schafe unterwandert werden.
Jedes Wochenende nach Mallorca
„Leider sind die Anschuldigungen wahr“, gab ein ehemaliger Betrugsermittler eines großen Versicherungsunternehmens zu Beginn seines gegen die Regeln der Governance verstoßenden Prozesses Ende August in Köln zu. Der 54-Jährige soll mehr als zwei Millionen Euro vom Unternehmen abgezogen haben. Der Mann, der seit 1984 für die Versicherungsgruppe tätig war, überwies die Gelder zwischen 2013 und 2018 auf private Konten. In 235 Fällen nannte die Staatsanwaltschaft zehn Überweisungen, von denen jede knapp 5.000 Euro betragen haben soll. Mit dem Geld soll er unter anderem die Miete für das Haus bezahlt haben, in dem er auf Mallorca wohnte. Er besuchte die Baleareninsel jedes Wochenende für etwa zweieinhalb Jahre. Der Angeklagte, seit 2011 Gruppenleiter in der Betrugsabteilung des Unternehmens, sagte zu Beginn des Prozesses: „Ich hatte immer viel Spaß bei der Untersuchung von Betrug.“
Von 1988 bis 2017 war ein Mitarbeiter fast drei Jahrzehnte lang bei der Fürstlich Castell'schen Bank beschäftigt und zuletzt als Leiter der Kundenbetreuung für die Standorte Nürnberg und München tätig. In dieser Funktion war er seit Januar 2000 Generalbevollmächtigter im Geldhaus in Castell bei Würzburg. Der heute 52-Jährige habe diese Position genutzt, um sich Kundengelder in Höhe von 6,8 Millionen Euro unrechtmäßig anzueignen, wie ihm nun der Staatsanwalt beim Landgericht Nürnberg-Fürth vorwirft. 23 Personen oder Firmen wurden geschädigt. In einer Erklärung der Privatbank vom Oktober vergangenen Jahres, nachdem der Fall bekannt wurde, hieß es, der Mann habe „bewusst und zielgerichtet“ an den Kontrollmechanismen des Geldhauses vorbeigearbeitet.
Die Versuchung ist bei den Finanzinstituten am größten – und anscheinend gibt es immer noch Möglichkeiten, das Geld unbemerkt zu verwenden.
Die Reihe von Betrug und Vertrauensbrüchen gegenüber Banken könnte fortgesetzt werden. Auffällig ist, dass die Straftaten in vielen Fällen über einen längeren Zeitraum nicht entdeckt wurden. Zweifellos ein Indikator dafür, dass die internen Sicherheitssysteme nicht schnell genug arbeiten.







