Günther Schotten, langjähriger Sicherheitsverantwortlicher bei der Allianz und heute Geschäftsführer des ASW-Bundesverbands, spricht im Interview über die wachsenden Bedrohungen für die Wirtschaft – und über das, was Politik und Unternehmen jetzt tun müssen.
Worin unterscheidet sich Unternehmenssicherheit vom Wirtschaftsschutz?
Unternehmenssicherheit setze auf der einzelbetrieblichen Ebene an: Konzepte, Prozesse und Maßnahmen zur Risikominimierung. Wirtschaftsschutz sei der politisch-organisatorische Rahmen, in dem Wirtschaft, Behörden und Verbände gemeinsam Bedrohungen begegnen.
Wie steht es um die Sicherheitskultur im Mittelstand?
Schotten warnt davor, KMU zu unterschätzen: Viele „Hidden Champions" seien hochattraktive Spionageziele. Entscheidend sei nicht die Unternehmensgröße, sondern die Qualität der Risikobetrachtung.
Welche Rolle spielt das BSI?
Schotten hebt unter anderem den Aufbau des Cyber-Centrums, die verbesserten Informationsketten und die Beratungsangebote für KMU positiv hervor. Das BSI sei ein wichtiger Ankerpunkt im deutschen Cybersicherheits-Ökosystem.
Wo wachsen die Risiken durch organisierte und Clan-Kriminalität?
Insbesondere in Logistik, Handel, Finanz- und Bauwirtschaft beobachte man wachsende Einflussnahme – häufig in Verbindung mit Geldwäsche, Korruption und Erpressung. Hier brauche es konsequente Strafverfolgung und engere Zusammenarbeit zwischen Sicherheitsverantwortlichen und Behörden.
Und die Bedrohung durch staatliche Akteure?
Sabotage- und Spionageaktivitäten staatlicher Akteure nehmen laut Schotten weiter zu. Unternehmen müssten ihre Schutzkonzepte gegen hybride Bedrohungen schärfen und Wirtschaftsschutz strategisch in der Geschäftsführung verankern.








